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Handschweißen: Warum jede Schweißnaht zählt

Wir überqueren tagtäglich Brücken, halten uns an Treppengeländern fest, lehnen uns über Brüstungen und verlassen uns dabei auf eines: Halt und Sicherheit. Dafür nötig sind unter anderem fehlerfreie und hochwertige Schweißnähte, gezogen von qualifizierten Handschweißerinnen und -schweißern. Wir sprechen von einem Berufsfeld, in dem eine riesige Fachkräftelücke klafft – ein Problem, das der gesamten Branche Sorgenfalten in die Stirn gräbt. Doch worauf kommt es beim Handschweißen eigentlich an? Was kann im Falle von Schweißnahtfehlern passieren? Und warum wird es diesen Beruf trotz fortschreitender Automatisierung immer geben?

„Schweißer/-in dringend gesucht“ ist eine Anzeige, die uns aktuell mehr denn je ins Auge springt. Der Fachkräftemangel hat die Schweißbranche fest im Griff, immer mehr Arbeitskräfte gehen mit einer gehörigen Portion wertvoller Erfahrung im Gepäck in den Ruhestand – bei gleichzeitig fehlendem Schweißer-Nachwuchs. Sehr stark davon betroffen ist das Handschweißen, bei dem es auf Geschick, Expertise und höchstes Verantwortungsgefühl jeder einzelnen Fachkraft ankommt. Treten hier Engpässe auf, können Unternehmen Aufträge teilweise oder gar nicht mehr ausführen – besonders dort, wo Automatisierung als Lösung nicht in Frage kommt. Sehen wir uns erst einmal an, was der Bereich umfasst und in welchen Branchen sich das Handschweißen besonders etabliert hat.

Was ist Handschweißen und was gehört dazu?

Handschweißen ist ein manuelles Fügeverfahren, das Metalle untrennbar miteinander verbindet. Es umfasst unter anderem Verfahren wie MIG/MAG-, WIG– sowie Elektrodenschweißen und ist aus vielen Branchen nicht mehr wegzudenken. Handschweißen ist vielseitig, erfordert in der Regel wenig Ausrüstung und besticht durch hohe Mobilität. Dadurch hat es sich insbesondere im Stahlbau fest etabliert – aber auch im Falle von Reparaturschweißungen, im Rohrleitungsbau, bei Montagen oder auf Baustellen sind Handschweißerinnen und Handschweißer tagtäglich im Einsatz.

Reparaturschweißungen sind ein klassischer Fall für Handschweißerinnen und -Handschweißer.

Automatisierung als Lösung für alles – oder doch nicht?

Wo Menschen fehlen, werden es Roboter schon richten – könnte man meinen. Dies trifft in der Tat auf viele Bereiche zu, zum Teil auch auf die Schweißbranche. Lösungen wie Cobots lindern den Fachkräftemangel, lassen Unternehmen aufatmen und entlasten Arbeitskräfte insbesondere bei repetitiven und ermüdenden Arbeiten. Beim Handschweißen stoßen automatisierte Prozesse allerdings an ihre Grenzen, denn nicht jede Schweißaufgabe ist robotertauglich. Gerade dann, wenn eine kleine Anzahl von Produkten gefertigt werden soll, diese sehr spezifisch sind oder es sich um sehr aufwändige Bauteile handelt, ist das Handschweißen von Vorteil beziehungsweise in vielen Fällen auch unverzichtbar.

Auch dort, wo sehr individuell geschweißt wird und Flexibilität gefragt ist – beispielsweise bei Fahrzeugreparaturen oder bei Schweißaufgaben in luftiger Höhe – ist das Handschweißen das Maß aller Dinge:

„In bestimmten Situationen und an gewissen Einsatzorten kann man nur von Hand schweißen. Ein gutes Beispiel ist die Errichtung von Autobahnbrücken. Hier werden fertige Fahrbahnen produziert und geliefert, aber wenn die Brücke schließlich aufgestellt wird, werden die einzelnen Bahnen vor Ort von Handschweißerinnen und -schweißern zusammengefügt. Hier gibt es auch keinen automatisierten Prozess, die Verantwortung liegt also am Ende bei den einzelnen Schweißfachkräften. Daher ist es auch so wichtig, nicht nur weiterhin genügend Handschweißfachkräfte zu haben, sondern vor allem auch hervorragend qualifizierte“, weiß Schweißtechnologe und Anwendungstechniker Tobias Rieder.

In bestimmten Situationen und Lagen kann nur von Hand geschweißt werden.

Das braucht es im Handschweißen

Stellt sich die Frage: Was macht eine gute Handschweißfachkraft aus? Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, wenn ich in diesem Beruf arbeiten möchte? Die Basis bildet das Trio aus Handfertigkeit, Materialverständnis und Belastbarkeit. Egal ob liegend unter einem Rohr oder kniend in einem engen Behälter: Das Arbeitsumfeld ist oft ein raues und stundenlanges Schweißen unter schwierigen Bedingungen kann körperlich sehr anstrengend sein. Für Rieder ist das Bewusstsein über den eigenen Gesundheitsschutz eine elementare Voraussetzung für den Beruf Handschweißen: „Die eigene Sicherheit muss man als Handschweißerin oder -schweißer ganz besonders im Auge behalten. Man arbeitet häufig längere Zeit am Stück in widrigsten Lagen oder auf engstem Raum, zum Beispiel in einem Tank. Wichtig ist hier, auf eine ordentliche Belüftung zu achten und immer eine verantwortliche Aufsichtsperson an der Seite zu haben, die die Sicherheitsmaßnahmen während des Schweißprozesses überprüft.“

Eine tragende Rolle spielt auch die hervorragende Materialkenntnis. „Ich muss wissen, wie sich beispielsweise Wärmeeinbringung und Verzug während des Schweißens verhalten und auch die Schweißnahtvorbereitung muss ordentlich ausgeführt werden. Das, was du schweißt, muss halten – darauf muss man sich verlassen können“, so Rieder. Wie kann man sich aber auf die Qualität bzw. Qualifikation der eingesetzten Fachkräfte verlassen? Essenziell sind laut Rieder in dieser Hinsicht Schweißprüfungen, die abgelegt werden müssen, um sicherzustellen, dass es sich um top-ausgebildetes Fachpersonal handelt und die Arbeiten fach- und sachgerecht durchgeführt werden. „Handschweißerinnen und -schweißer tragen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung eine enorme Verantwortung, die gar nicht oft genug betont werden kann“, macht der Schweißtechnologe deutlich.

Höchstes Verantwortungsgefühl für jede Naht

Wo die Verantwortung hoch ist, sind Fehler meist fatal. Dies trifft auch auf das Handschweißen zu, denn Schweißnahtfehler können gravierende Folgen nach sich ziehen. Eine Schweißnaht, die nicht ordentlich ausgeführt wird, kann beispielsweise irgendwann reißen und zu Materialbruch führen – oder im schlimmsten Fall auch die Sicherheit von Menschen gefährden:

„Ich kenne einen Fall, der sich vor einigen Jahren in Frankreich auf einer Baustelle zugetragen hat. Folgendes ist passiert: Es ist eine Schaltafel von einem höheren Stock heruntergefallen, direkt auf den Kopf einer dort tätigen Schweißfachkraft. Die Tafel hat auch den Schutzhelm durchschlagen und hat sich so quasi in den Kopf gebohrt. Die betreffende Person lag monatelang auf der Intensivstation und kämpfte dort um ihr Leben. Der Schweißer hat den Kampf gewonnen, lebt allerdings auch heute noch mit einem Stück Kunststoff, das den Teil des Schädelknochens, der beschädigt wurde, ersetzt. Die Ursache für diesen Unfall war eine defekte Schweißnaht“, macht Rieder auf die hohe Verantwortung als Schweißfachkraft aufmerksam.

Fronius Artis und Ignis: Von leichter Hand schweißen

Neben Geschick, ausgereifter Materialkenntnis und höchstem Verantwortungsgefühl ist auch das optimale Schweißgerät eine wichtige Zutat für erfolgreiches Handschweißen. Die Frage ist: Was muss ein gutes Handschweißgerät können? In erster Linie muss es perfekt auf die jeweilige Schweißaufgabe abgestimmt sein. Müssen Schweißnähte beispielsweise nicht nur qualitativ, sondern auch optisch höchsten Ansprüchen genügen, ist die Fronius Artis eine ideale Wahl. Beispiele hierfür sind Sichtnähte an Edelstahl-Handläufen oder Schwimmbecken für hochwertige Rohrverbindungen sowie präzise Anwendungen im Behälter- und Industrieanlagenbau.

Die Fronius Ignis ist eine zuverlässige Begleiterin, wenn bei widrigsten Bedingungen geschweißt werden muss. Äußere Einflüsse wie Staub und Nässe können dem widerstandsfähigen Gerät kaum etwas anhaben und die richtungsweisende Technologie mit zahlreichen komfortablen Funktionen erleichtert den Schweißprozess enorm. Die Ignis ist mit lediglich 9,8 kg ein Leichtgewicht, aber dennoch sehr robust – Schweißerinnen und Schweißer können daher sowohl drinnen als auch draußen, bei Regen oder Sonnenschein, in luftiger Höhe oder auf engstem Raum auf das Power-Handschweißgerät zählen.

Ob Ignis, Artis oder ein anderes qualitativ hochwertiges Schweißgerät: Maßgebend ist, ein Gerät zu wählen, das optimal auf die Bedürfnisse von Schweißerinnen und -Schweißern sowie auf den jeweiligen Zweck der Aufgabe ausgelegt ist – und auf das sich die Fachkräfte tagtäglich verlassen können. Doch egal, um welche Handschweißaufgabe es geht: Die Verantwortung liegt nicht am Gerät, sondern in den Händen jeder einzelnen Schweißfachkraft. Denn am Ende ist es trotz technischem Fortschritt und Automatisierung doch der Mensch, der vielerorts unabdingbar bleibt.

Wir haben Ihr Interesse für das Thema Handschweißen geweckt? Lesen Sie gleich nach, wo Sie welches Schweißverfahren einsetzen – ob MIG/MAG-, WIG- oder Elektrodenschweißen – und werfen Sie gerne einen genaueren Blick auf unsere Ignis und Artis. Auf unserer Website erfahren Sie, was beide Kraftpakete im Detail alles können!

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