MIG/MAG-Brenner: Spezialausführungen und Verschleißteile

Im zweiten Teil unserer Serie zu MIG/MAG-Brennern nehmen wir zunächst die Spezialausführungen unter die Lupe. Speziell im MIG/MAG-Bereich ist die Vielfalt an Schweißbrennern nahezu unbegrenzt, da es für jede Prozessvariante, Schweißherausforderung und persönliche Vorliebe des Schweißers angepasste Varianten gibt.

Hightech-Brenner

Je spezieller und komplexer die Anwendungen sowie Schweißprozess-Varianten sind, desto hochtechnologisierter sind die Brennerlösungen.

Der PushPull-Schweißbrenner: Beim PushPull-System ist zusätzlich zum Drahtvorschub im Schweißgerät, welcher den Draht schiebt, ein zweiter Elektromotor im Brenner angebracht. Dieser zieht den Draht, wodurch eine sehr straffe Drahtführung gewährleistet ist. Gerade im Bereich des Aluminiumschweißens – wo Drähte materialbedingt kaum Steifigkeit aufweisen, sehr fragil sind und jede Menge Schlupf ermöglichen – ist dieses Brennersystem unbedingt anzuraten. Aber auch bei herkömmlichem Stahlschweißen, wenn überlange Spezialschlauchpakete bis zu zehn Meter Länge und mehr eingesetzt werden. Durch die Überlänge wird auch hier jede Menge Schlupf ermöglicht, weshalb eine steifere Drahtführung unbedingt anzuraten ist.

Wichtig bei hochwertigen PushPull-Systemen ist generell, dass die Elektromotoren der beiden Drahtfördereinheiten perfekt synchronisiert sind. Die IST-Werte des Brennermotors müssen in Echtzeit an die Stromquelle geliefert werden. Nur so kann der Antrieb exakt nachgeregelt werden, wodurch der Draht letztlich straff bleibt.

PushPull-Schweißbrenner mit Elektromotor

Der CMT-Brenner: Für den absolut außergewöhnlichen Prozess CMT (Cold-Metal-Transfer) werden hochperformante Spezialbrenner benötigt. Ähnlich den PushPull-Schweißbrennern ist auch hier eine Antriebseinheit zur Drahtförderung im Gehäuse der Griffschale verbaut. Diese muss den Draht jedoch nicht nur nach vorne ziehen, sondern auch zurück bewegen können – und das bis zu 140 Mal pro Sekunde. Eine derartig hochpräzise Form der Drahtförderung benötigt ein ausgeklügeltes Motorregelungssystem, das perfekt mit dem Schweißgerät kommuniziert. Dieses speziellste aller Drahtförderungssysteme ermöglicht durch seine Präzision in der Tropfenablöse kälter, beziehungsweise bei geringerem Wärmeeintrag, zu schweißen.

CMT-Schweißbrenner

Brenner mit Pistolengriff: Der Pistolengriff wird für herkömmliche Push-, aber auch PushPull-Schweißbrenner angeboten. Die Wahl der Ausführung ist einzig von der Vorliebe der Schweißer abhängig. Gerade bei Brennern, die schwerer sind – wie zum Beispiel dem CMT-Brenner – kann der Pistolengriff Vorteile in der Handhabung mit sich bringen.

Schweißbrenner mit Pistolengriff

Der Absaugbrenner: Das Thema „Gesundheit am Arbeitsplatz“ bekommt zunehmend Aufmerksamkeit. In der Schweißtechnik geht es dabei vor allem um die Vermeidung von Schweißrauch – denn wer will sich schon tagtäglich schädlichem Qualm und Gestank aussetzen? Gut konzipierte Absaugbrenner funktionieren wie Staubsauger. Direkt hinter der Gasdüse sind Öffnungsschlitze, anhand derer die Umgebungsluft der Schweißnaht abgesaugt wird – ohne die Schutzgasatmosphäre um das Schmelzbad herum zu stören. Frische Luft und damit ein Plus an Arbeitsplatzqualität machen den Beruf des Schweißers um ein Vielfaches attraktiver.

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Schweißrauchabsaugung

Flexible Brennerkörper: kommen beispielshalber dort zum Einsatz, wo Bauteilzugänglichkeiten massiv eingeschränkt sind oder die Schweißposition besonders schwierig ist. Mittels Multilocksystem können sie mit dem MIG/MAG-Schlauchpaket verbunden werden. Meist kommen hier verdrillte Kupferrohre zum Einsatz, die es erlauben, den Brennerkörper in relativ beliebige Formen zu verbiegen. Damit ist der Zugang zur Schweißnaht stets optimal gewährleistet. Infolge können sehr spezielle Anwendungen bewerkstelligt werden, die für herkömmliche Brenner absolut unmöglich wären. Es ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass die Anzahl der Verwindungen begrenzt ist, da das Material mit jeder Formänderung geschwächt wird. Bis zu 1000 Biegungen sind bei hochwertigen Flex-Brennern möglich, bevor auch diese zu ersetzen sind.

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Verschleißteile der MIG/MAG-Brenner

So hochwertig Standard- als auch Spezialschweißbrenner gefertigt sein mögen – sie unterliegen dennoch allesamt diversem Materialverschleiß. Diese Einzelteile müssen regelmäßig gereinigt und ersetzt werden, damit bestmögliche Prozessstabilität gewährleistet ist.

Drahtführungsseelen: Als Seele bezeichnet man die Ummantelung im Innersten des Brenners, die den Schweißdraht führt. Vom Austritt aus dem Schweißgerät bis hin zum Einfädeln in das Kontaktrohr wird ihm dadurch die notwendige Steifigkeit verleihen, was jeglichen Schlupf und damit Prozessungenauigkeiten verhindert.

Gemäß der unterschiedlichen Drähte werden entsprechende Stahlseelen, CrNi-Seelen oder im Aluminiumbereich auch Kombiseelen verwendet. Um den fragilen Alu-draht zu schützen ist die Kombiseele überwiegend aus Grafit gefertigt – wodurch kaum Reibung entsteht.

Unterschiedliche Seelen

Das Kontaktrohr: sitzt unter der Gasdüse und ist für den Stromübertrag auf die Drahtelektrode zuständig. Da diese ständig am Kupfer entlangschleifen muss, um tatsächlich Kontakt zu haben, erklärt sich die Abnutzung von selbst. Je schlechter der Kontakt wird, desto unruhiger ist der Lichtbogen. Deshalb sind die Rohre ab einem gewissen Verschleißgrad auszutauschen. Ein herkömmliches Kotaktrohr wird für etwa 120 Minuten reine Schweißzeit eingesetzt, was in etwa dem Tagessoll eines professionellen Schweißers entspricht.

Kontaktrohre

Kontaktrohre gibt es in allen Größen, passend zu den jeweiligen Brennern, Leistungsbereichen und Drahtdurchmessern. Je mehr Leistung eingebracht wird, desto größer ist das Kontaktrohr – denn das Mehr an Material, zumeist Kupfer, hilft die entstehende Wärme zu absorbieren.

Gasdüsen: gibt es in unterschiedlichen Ausführungen – meistens als Kupfergasdüsen, da Kupfer die Hitze von Lichtbogen und Schmelzbad am besten ableiten kann. Beim Aluminiumschweißen werden auch beschichtete Düsen verwendet, da somit weniger Spritzeranhaftung entsteht. Die dennoch vorhandenen Spritzer können auf der Beschichtung mit speziellen Reinigungsbürsten leicht beseitigt werden.

Hochwertige Gasdüsen sind immer geschraubt und nicht aufgesteckt. Dadurch kann kein Schutzgas an der Anschlussstelle entweichen und der Gasstrom wird perfekt durch die Düse Richtung Schmelzbad geleitet. Zusätzlich kann über das Gewinde auch die Wärmeableitung positiv beeinflusst werden.

Gasdüsen

Der Spritzerschutz: wird auf den Düsenstock aufgeschraubt, welcher wiederum mit den Bohrungen zum Ausströmen des Schutzgases versehen ist. Dieser Kunststoffschutz hat einerseits die Aufgabe den Düsenstock zu isolieren, damit es durch Schweißspritzer keinen Kurzschluss in Richtung Gasdüse gibt. Andererseits wird dadurch verhindert, dass sich die Gasaustrittslöcher mit Schweißspritzern zusetzen. Ein Verschluss dieser Löcher würde dazu führen, dass der Gasstrom massiv beeinträchtigt wäre und die Schutzatmosphäre gestört ist. Daher ist auch der Spritzerschutz regelmäßig zu reinigen und auszutauschen.

Spritzerschutz

Für jede Anwendung der richtige MIG/MAG-Brenner

Die Details machen es deutlich: Schutzgasschweißen verlangt oft universelle, teilweise spezielle oder hochspezifische MIG/MAG-Brenner. Auch Fronius hat zahlreiche und qualitativ hochwertige Schweißbrenner im Angebot, die perfekt auf die jeweilige Stromquelle oder den jeweiligen Prozess zugeschnitten sind. Selbstverständlich umfasst unser Service auch ein umfangreiches Angebot an Ersatz- und Verschleißteilen.

Detaillierte Informationen zu unserem Produktportfolio finden sie hier.

Möchten sie mehr über die Grundlagen des MIG/MAG-Schweißens erfahren? Hier geht’s zum Blogartikel

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