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Sprachsteuerung: Schweißgerät und Computer ohne Hände bedienen

Projekt Sprachsteuerung: Mundmaus IntegraMouse Plus von LIFEtool

Wir benutzen sie ständig. Beim Zähneputzen, beim Schuhbänder binden, beim Essen, beim Bedienen von Handy und Computer– unsere Hände sind quasi permanent im Einsatz. Doch was, wenn sie uns nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen?

LIFEtool, das gemeinnützige Unternehmen mit Sitz in Linz, Oberösterreich, ist auf Assistierende Technologien für Menschen mit Behinderung spezialisiert. Unter anderem entwickelt LIFEtool Lösungen, mit denen Personen mit hoher Querschnittslähmung Computer bedienen können – wie etwa eine mundgesteuerte Computermaus. Eine Eingabe mittels Stimme könnte Menschen mit Behinderung noch bessere Möglichkeiten bieten, den Computer unkompliziert und rasch zu bedienen. Das wäre etwa für das Spielen von E-Sports von großer Bedeutung.

Doch was hat das mit Schweißen zu tun? Für eine exakte Naht muss der Schweißer den Brenner mit beiden Händen führen – beim WIG-Schweißen ist sogar eine Hand mit der Zufuhr des Zusatzmaterials beschäftigt, während die andere den Schweißbrenner hält. Das macht es fast unmöglich, am Schweißgerät Parameter wie Stromstärke oder Lichtbogenlänge zu ändern, ohne den Schweißvorgang zu unterbrechen. Eine Sprachsteuerung könnte hier Abhilfe schaffen.


Die Kontrolle übers Schweißgerät – mittels Sprache

Die Fachhochschule Oberösterreich, Campus Hagenberg, der Schweißgeräte-Hersteller Fronius und LIFEtool haben daher 2018 gemeinsam eine Sprachsteuerung für Schweißgeräte entwickelt. Doch es ging bei dieser Forschungskooperation um mehr als nur eine neue Eingabemöglichkeit für den Schweißer: Es ging auch um Integration.

Die gemeinsame Einschränkung von Schweißern bei der Arbeit und Menschen mit Behinderung bildete den Grundstein für das Forschungsprojekt, dessen wissenschaftliche Leitung Mirjam Augstein von der FH Oberösterreich, Campus Hagenberg, übernahm. „Wir haben unter Einbindung beider Zielgruppen eine Sprachsteuerung entwickelt. Diese soll einerseits bei industriellen Schweißgeräten und andererseits als Ergänzung für die mundgesteuerte Computermaus von LIFEtool zum Einsatz kommen“, erklärt die Forscherin. Der Projektname weist auf das große Ziel hin, das die Kooperationspartner verfolgen: WIFI steht für Welding Interaction in Future Industry – Sprache also als die Interaktionsform beim Schweißen in der Industrie der Zukunft. Unterstützt wurde das Forschungsprojekt von der Österreichischen Forschungsfördergesellschaft im Rahmen des BRIDGE1 Programms.


Preisgekrönte Forschungskooperation mit positiven Nebeneffekten

Abgesehen vom Erfahrungsaustausch der drei Partner gibt es noch einen weiteren positiven Effekt der Kooperation: „In Zukunft könnten Lösungen und Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung günstiger werden, wenn diese für die Industrie in hoher Stückzahl produziert werden.“, erklärt Karl Kaser, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei LIFEtool. Auch wenn die neu entwickelte Sprachsteuerung noch weit vom serienmäßigen Einsatz auf Schweißgeräten entfernt ist – die Forschungskooperation konnte bereits erste Erfolge einfahren: Das österreichische Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz zeichnete des Projekt 2018 mit dem Wissenschaftspreise für Inklusion aus.


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